Nachtangst - Das Wesen der Stille von Emely Dark

Nachtangst - Das Wesen der Stille

Details:

Genre:Biografie, Thriller
Format:Taschenbuch, eBook
Seiten:360
Distributor:Amazon KDP, Epubli
ISBN/ASIN:978-3748515272

Klappentext:

Nacht für Nacht kämpft Emely mit den Dämonen ihrer Kindheit. Vom wahnhaft christlichen Vater jahrelang seelisch misshandelt, kann sie auch als Teenager die widersinnige Angst vor Hexen und Wiedergängern nicht abschütteln, die er in ihr gesät hat. In ihren Träumen erwachen die Wesen der Dunkelheit zum Leben und verzehren sich nach ihrem Blut.

Als ein schwerer Schicksalsschlag die junge Frau gänzlich aus der Bahn wirft, beginnen Vision und Realität zu verschmelzen – bis es kein Entrinnen mehr gibt und Emely sich der Wahrheit stellen muss. Der Wahrheit über die Angst. Aber vor allem über sich selbst.

Inhalt:

Mit ihrem Debüt-Roman „Nachtangst – Das Wesen der Stille“ verarbeitet die Autorin die Schrecken der eigenen Kindheit. Sie erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, von physischer aber vor allem seelischer Gewalt im eigenen Elternhaus und von einer Angst, die uns allen innewohnt: der Furcht vor dem Übernatürlichen.

Dieses Buch beruht auf wahren Begebenheiten, erhebt jedoch keinen Faktizitätsanspruch. Die Namen der beschriebenen Personen wurden zu deren Schutz geändert. Einige Ereignisse, Gedanken und Dialoge sind fiktiv und dienen lediglich zu Unterhaltungszwecken.

Leseprobe

Angst. Ihr beißender Gestank hing fast greifbar im Halbdunkel des liebevoll dekorierten Kinderzimmers. Er waberte durch die Luft, durchtränkte die himmelblaue Tapete und verklebte die Oberfläche der achtlos zur Seite geschobenen Puppenkörper im untersten Regalbrett, deren Köpfe und Gliedmaßen in merkwürdigen Winkeln abstanden. In den fünf Fächern darüber verschwamm das hübsch aufgereihte Stofftierarsenal im hereinfallenden Licht der einen spaltbreit geöffneten Tür zu einem grotesken Schemen, bildete unheilverheißende Schatten in der Fantasie des kleinen Mädchens, das sich verzweifelt an seine Bettdecke klammerte.
Seit sie denken konnte, hatte sie Angst. Angst vor den Wesen, die in der Dunkelheit warten, Angst vor Hexen und Dämonen, Angst vor der Wahrheit über die Welt da draußen. Beinahe glaubte sie, sie sehen zu können. Da, in ihrem Regal! Ihr Atem ging schneller.
»Das hast du dir eingebildet«, mutmaßte die Stimme in ihrem Kopf. In Momenten wie diesem stand sie ihr bei. Sie tröstete, ermunterte, warnte. Sie war ihre erste und einzige Freundin, ein verlässlicher Gegenpol zur grausamen Realität des Mädchens, das nun mit weit aufgerissenen Augen in die Schattenwelt des Kinderzimmers starrte, im verzweifelten Versuch, die Wirklichkeit zu sehen. Ihr Herz pochte wie wild. Doch der nächtliche Zauber ließ sich nicht bannen. Ihre Stofftiersammlung, am Tage so liebreizend, war im Halb-dunkel zu einer hässlichen Fratze mutiert, die dem Mädchen das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Mit einem kurzen, fast lautlosen Keuchen zog sie sich die Decke über den Kopf, und kehrte dem Regal den Rücken zu.
»Es ist nicht da, es ist nicht da«, begann sie ihre allnächtliche Litanei. Ihre Lippen bewegten sich, aber kein Laut verließ ihre Kehle.
»Bist du dir da sicher?«, fragte die Stimme mahnend.
Ihr Tonfall hatte wieder diesen zynischen Beiklang angenommen, den das Mädchen verabscheute. An den Moment, als die Stimme in ihr Leben getreten war, konnte sie sich ebenso wenig erinnern, wie an das erste auf’s Töpfchen gehen oder ihren ersten Brei. Es war, als wäre sie einfach schon immer da gewesen, als sei sie eine natürliche Kraft, dazu erschaffen, das wehrlose Kind vor dem Grauen zu schützen, das in seinem Elternhaus lauerte.
»…nicht da, es ist nicht da!«
Der Sing-Sang, nun tatsächlich hörbar, drang gedämpft unter der Decke hervor. Das Mädchen zitterte unkontrolliert. Die Daunen raschelten leise.
»Mit dem Gesicht zur Wand wirst du nicht sehen, wenn ES kommt«, redete die Stimme eindringlich auf sie ein. »Du wirst hier liegen bis ES direkt vor dir steht. Es wird deine Haut in Fetzen reißen und dich töten! Dein albernes Gesinge hilft dir nicht weiter!«
Das Mädchen zögerte. Die Stimme hatte Recht. Was auch immer dort im Halbdunkel lauerte, es konnte sich ihr nun ungehindert nähern. Vor ihrem geistigen Auge spann sich ein Bild von rot glühenden Augen, die immer größer zu werden schienen, von Krallen, die sich bedrohlich ihrer Kehle entgegen streckten, sie binnen Sekunden in Tausend Stücke rissen. Doch Panik und Verzweiflung verwandelten sich schlagartig in eine gleichgültige Ruhe als ihr klarwurde, dass ihr Tod allem ein Ende setzen könnte. Der plötzliche Gedanke war der friedvollste, der ihr in all den schlaflosen Nächten der letzten Monate gekommen war. Beinahe dankbar schloss sie die Augen.
»Was zum Teufel tust du da?!«, wetterte die Stimme.
Das Mädchen blendete sie aus. Sie wollte schlafen. Sie wollte nicht sterben. Doch wenn die Schatten der Nacht zu ihr kamen, was sollte sie ihnen entgegensetzen? Ihre winzigen Fäuste würden nichts ausrichten können gegen die scharfen Klauen und spitzen Zähne eines teuflischen Dämons.
»Vertrau auf Gott«, hatte ihr Vater ihr geraten, als er ihr von den Hexen, Geistern und Wiedergängern erzählt hatte, die nun Nacht für Nacht ihre Träume heimsuchten. Das Mädchen begann zu weinen.
»Gott? Bist du da?« Sie hatte die Frage unter der Bettdecke hervorgerufen. Es kam keine Antwort. Beinahe trotzig zog sie sich die Decke zurück über die Stirn und schloss die Augen.
»Dann eben nicht. Ich werde schlafen. Hier ist nichts… weder gut, noch böse.«
»Du machst dir nur etwas vor, und das weißt du auch«, meldete sich die Stimme erneut zu Wort. »Du kannst ES hören, nicht wahr? ES atmet…«
Das Mädchen erstarrte.
»Das ist eine Lüge«, protestierte sie. »Das ist der Wind…!«
Aber sie wusste es besser. Das Geräusch kam nicht von draußen, es war hier drin, keine zwei Meter von ihr entfernt. Und, viel schlimmer noch, es war schon die ganze Zeit da gewesen, seit sie sich feige unter ihrer Bettdecke verkrochen und die Geschehnisse in ihrem Zimmer verleugnet hatte. Es war der gleichmäßige Atem eines Dämons, der gekommen war, um sie zu vertilgen. Nun hatte er freie Bahn und es gab nichts, was sie ihm hätte entgegensetzen können. Die Panik keimte erneut auf, fegte durch ihre Adern wie schwarzes Gift.
- Platsch -
Mit einem dumpfen Geräusch landete etwas auf ihrer Bettdecke, etwa in Hüfthöhe. Der Schrei blieb dem Mädchen im Hals stecken. Vor ihrem geistigen Auge waren die grauenhaften Bilder der Schattenwesen so lebendig wie nie. Sie tanzten.
Heute Nacht gibt es frisches, junges Fleisch.
- Platsch -
Ein weiterer Aufprall, diesmal auf ihrer Schulter, nahe ihrer Kehle.
ES frisst mein Gesicht, dachte sie, während die Tränen ihr unaufhörlich die Wangen hinab strömten. ES frisst mein Gesicht, und ich muss ihm dabei zusehen!
Sie verlor die Kontrolle über ihre Blase. Die Nässe war unangenehm, die Wärme auf ihre ganz eigene Art tröstlich.
Ich werde mich nicht umdrehen, versprach sie sich selbst. Ich will ES nicht sehen!
Ihr Atem kam jetzt stoßweise. Ihre Augen fixierten die Wand.
Gott, bitte lass es wenigstens schnell gehen.

***

Im Türrahmen stand ein Mann. Das einfallende Licht des Hausflurs ließ lediglich seine Silhouette erkennen. Hätte es sich umgedreht, hätte das Mädchen sie zweifellos als die ihres Vaters erkannt. Er lachte.
Mit dem Gesicht zur Wand, völlig unter der Daunendecke verborgen, blieb das Mädchen in Embryonalhaltung liegen und wartete auf das Ende.

Die Autorin

Emely Dark verließ ihr Elternhaus bereits im Teenie-Alter. Sie lebt allein in einer kleinen Stadtwohnung. Zu ihrem Vater hat die Autorin nur selten Kontakt. Noch heute kehrt sie Nacht für Nacht in das Grauen ihrer Kindheitstage zurück.

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