Ist das Kunst oder muss das weg? von Daniela Hillers

Ist das Kunst oder muss das weg?

Details:

Genre:Sachbuch
Format:Taschenbuch
Seiten:256
Verlag:Gallip Verlag & Media
ISBN/ASIN:978-3000578014

Klappentext:

Ist das Kunst oder muss das weg?

Die RAF im Spiegel von Gesellschaft und Kultur 40 Jahre nach dem Deutschen Herbst.

Terroristen, Staat und Medien führten sich im Deutschen Herbst im Wechselspiel eines absurden Theaters gegenseitig an Abgründe. Die Rote Armee Fraktion hat in unserem Land ein Schlachtfeld verstörender Bilder hinterlassen und die Frage danach, wie man mit gewaltsamem Aufbegehren umgehen sollte. Heinrich Böll bezeichnete den Kampf der RAF gegen den Staat als „Krieg von 6 gegen 60 Millionen“. Obwohl unsere Demokratie niemals ernsthaft in Gefahr war, ist die RAF auch 40 Jahre nach dem blutigen Jahr 1977 ein Stachel in der Wunde der Gesellschaft. Heute noch bewegen sich Debatten um die RAF und die Reaktionen des Staates damals zwischen Terrormythos und Politfolklore. Steht das Gespenst RAF für ewige Nostalgie der radikalen Linken? Was machen Schrecken und Verunsicherung langfristig mit uns?

Nach vier Jahrzehnten geben Kulturakteure und Zeitzeugen in diesem Buch Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen und künstlerische Arbeit zum Thema RAF. Gemeinsam gehen sie mit der Autorin der Frage nach, welche Relevanz die Aufarbeitung der RAF für die Gesellschaft heute hat.

Inhalt:

Meinungen hören, Kontroversen suchen, Diskussionen anregen.

Kann eine Gesellschaft stabil sein, in der grundlegende Zweifel an Institutionen, Universitäten, Behörden und Politikern gepaart mit Politikverdrossenheit vorherrschen?

Wohin entwickeln wir uns, wenn Protestkultur und Widerspruch ausbleiben, kontroverse Ansichten verblassen und sich Geschichte zu wiederholen droht? Autorin Daniela Hillers blickt hinter die Fassade von Opfern, Tätern und Strukturen. Sie schätzt den offenen Austausch zu allen Themen rund um die Gesellschaft, Kultur und die persönliche Entwicklung.

Umgeben von Mythenbildung geben Kulturakteure und Zeitzeugen in diesem Buch Einblicke in ihre Erfahrungen und künstlerische Arbeit zum Thema Rote Armee Fraktion. Ein bewegendes Thema in hektischen Zeiten und aufkeimender Proteste einerseits, Unzufriedenheit und Lethargie andererseits.

Leseprobe

Ist unser Blick nach links gestört?

Über Sühne und Aufarbeitung urteilen, wenn man daran nicht wahrhaftig interessiert ist, ist wohlfeil. Selbst in festen Schemata leben und weil man auf der Seite der vermeintlich Guten ist, von anderen zu erwarten, sie mögen die eingeschlagenen Wege mit der dazugehörigen Härte hinter sich lassen – die aber aus dem eigenen Selbstverständnis nach nur in Starre und Radikalität praktizierbar sind –, ist Opportunismus. Die Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) in unserem Land zeigt für die RAF selbst und für den Staat auf der anderen Seite, dass es unmöglich ist, in Dogmen zu denken und gleichzeitig eine Freiheit und Flexibilität des Geistes des Gegenübers erzwingen zu wollen. Der Blick auf unsere Geschichte legt offen, dass Terroristen nicht als eindimensionale Bösewichte und Psychopathen angesehen werden können. Noch heute ist der Begriff „Terrorismus“ ein abwertendes Etikett, in dessen Zusammenhang die Weigerung besteht, auf die Gründe des Bestrebens nach gewaltsamer Veränderung der Gesellschaft zu sehen. Terrorismus kann nicht beseitigt werden, indem die Bewegungen zerschlagen werden. Vielmehr sollte ein Verständnis für die Anziehungskraft von Terror entstehen, damit effektive Antiterrorstrategien entwickelt werden können.

Die Geschichte der Terrorbekämpfung in der Bundesrepublik zeigt, dass am Beispiel der RAF die Mitglieder um einen oder mehrere charismatische Führer herum gruppiert waren. Trotz der Bedeutsamkeit der Führungskader kam es nach deren Ableben oder Inhaftierungen zu einer erheblichen Schwächung der Organisation, nicht aber zu einer Auflösung. Der Beweis dafür, dass das Abschlagen einzelner Köpfe in der Terrorismusbekämpfung nicht effizient ist. Algorithmen mögen uns enorme Fortschritte gebracht haben, aber sie stehen durchaus auch im Widerspruch zu dem, was wir Intuition nennen. Nichts ist ohne „das richtige Gespür für Menschen und Situationen“ bewertbar, in der Gesellschaft, in Krisensituationen und im menschlichen Austausch. Wie soll der Faktor Mensch kategorisiert werden, wenn es um vermeintliche – dem Selbstempfinden nach – Befreiungsfantasien geht, die den Gegner aber in Unfreiheit bringen? Wie Autorin Louise Richardson in ihrem Buch „Was Terroristen wollen“ beschreibt, sind die Ursachen des Terrors nicht unbedingt in den Lebensbedingungen zu finden, sondern in einer Zusammensetzung aus „entfremdetem Individuen, einer den Terror gutheißenden Gemeinschaft und einer legitimierenden Ideologie“. Immer werden politische Strukturen, sozial zugespitzte Lebenslagen und wirtschaftliche Entwicklungen mit dem dazugehörigen Gefälle auch entfremdete Menschen mitbringen. Nicht jeder, der ein System als Unrechtssystem wahrnimmt, lehnt sich gewaltsam auf, aber die Chancen dazu sind gegeben und bergen durchaus Potenzial, differenzierter zu werden.

In all diesen Begebenheiten sind neben den Gesetzen und Vereinbarungen in einer Gesellschaft die Faktoren der Intuition und der Vernunft keine Gegensätze – sie ergänzen einander ideal. Aber muss das ausgewogene Verhältnis in besonderen Situationen durchbrochen werden und müssen wir insbesondere in schwierigen Zeiten stets einen kühlen Kopf bewahren? Wie wohldurchdacht hätte die Mischung dieser beiden Faktoren – Ratio und mitmenschliches Gefühl – im Deutschen Herbst 1977 sein müssen, als es um Entscheidungen für die Gesellschaft ging? Leben und Tod, Austausch von Inhaftierten gegen den entführten Hanns Martin Schleyer, 86 Urlauber als Geiseln im Flugzeug „Landshut“, die potenzielle Erpressbarkeit des Staates? Politische Entscheidungen, die das Gesamtwohl betreffen, werden dann kritisch, wenn sie Affektentscheidungen zu werden drohen. Doch wie groß war die Gefahr für die Gesellschaft 1977 wirklich, durch die RAF zu Schaden zu kommen? Wäre der Austausch Hanns Martin Schleyers eine Impulsreaktion gewesen, die im Gegenzug seiner Befreiung 60 Millionen Menschen in Gefahr gebracht hätte?

Die Position der RAF

40 Jahre nach dem Deutschen Herbst mehren sich die Einschätzungen von Weggefährten, damals politisch Verantwortlicher und von Zeitzeugen, die das fast hysterisch verkündete Gefahrenpotenzial durch die Angriffe der RAF als Fehleinschätzung ansehen und den ausbleibenden Dialog zum gegenseitigen Verständnis mit den Verantwortlichen zur Deeskalation gerne eher herbeigeführt hätten. Ist das eine gänzlich neue Sichtweise nach 40 Jahren? Die Aufarbeitung der Frage, was die RAF war, ist in der Retrospektive scheinbar leicht zu klären. Die terroristische Gruppierung kann hinsichtlich der Bedeutsamkeit und ihrer Entstehungsgeschichte als Zerfallsprodukt der 1968er-Bewegung bezeichnet werden, das nur in dem Umfeld der damaligen Zeit entstehen konnte. Führende Historiker sind sich einig, dass die RAF heute keinerlei Einfluss mehr besitzt.

In der Zeit von 1970 bis zu ihrer erklärten Auflösung im Jahr 1998 sieht sich die RAF als Avantgarde an der Spitze einer Bewegung zur Befreiung der unterdrückten Massen im Kampf einer Volksfront mit internationalistischem Bezug. Erklärte Feindbilder sind der amerikanische Imperialismus, der westliche Kapitalismus und die Unterdrückung der Menschen in der Dritten Welt. Ihr „Primat der Praxis“ aber sieht anders aus: Als Paradoxon zu den Argumenten internationaler Ausrichtung ist der ausgeführte Aktionismus der RAF lediglich auf die Bundesrepublik begrenzt und der Fokus allein auf den propagierten Klassenkampf ausgerichtet. Zudem ist der eigentliche Aktionsradius ein Selbstbezug, der keine politische Ebene erreicht . Die Aktionen der RAF beziehen in der eigenen Geschichte zwar Überfälle zur Finanzierung des Untergrundkampfes, Attentate und Bombenanschläge auf führende Repräsentanten nach lateinamerikanischem Vorbild ein, aber im Vordergrund steht permanent die Befreiung der Gründungsmitglieder aus dem Gefängnis, was sich 1977 im Deutschen Herbst zuspitzt. Die utopisch-revolutionären Ziele der Gründergeneration waren die totale Befreiung von der Repression und mündeten in absoluter Unfreiheit und dem Selbstmord. Im kollektiven Gedächtnis verankert sind die Bilder der Attentate des Jahres 1977: Der entführte Hanns Martin Schleyer in den von einen Entführern gedrehten Videos, seine ermordeten Begleiter auf offener Straße unter Leichentüchern, der Kinderwagen am Tatort, zuvor zum Transport der Waffen genutzt. Die Morde an Jürgen Ponto und Siegfried Buback, die getöteten Fahrer und Sicherheitsleute, Rasterfahndungen, Hungerstreiks, Apelle der Anwälte, ein lebenslängliches Urteil und ein Selbstmord als Inszenierung sind das, was wir aus dem Jahr 1977 mitnehmen.

Die Autorin

Ist Meinungsfreiheit Demokratie für Fortgeschrittene? Passende Worte, bedeutungsvolle Bilder, zielgerichtete Positionierung: Autorin und Verlegerin Daniela Hillers, geboren 1981 bei Aachen, lebt und arbeitet als Unternehmerin in Stuttgart. Als Politologin, Historikerin und Fotografin beschäftigt sie sich seit 17 Jahren intensivst mit der Geschichte der Roten Armee Fraktion, Protest- und Graffiti-Kultur.

Mit ihrem Verlag „Gallip Verlag & Media“ hilft sie Autoren beim Markenaufbau und ihrer strategischen Struktur bis zum Marktantritt – darüber hinaus betreut sie Firmen und Autoren in den Bereichen Marketing, Vertrieb und PR.

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