Der Duft von Orangenblüten von Alexandra Mazar

Der Duft von Orangenblüten

Details:

Genre:Gesellschaft
Format:Taschenbuch, eBook
Seiten:330
Distributor:Amazon KDP, Nova MD
ISBN/ASIN:978-3966983297

Inhalt:

Für Katharina ist nichts mehr, wie es war.

Bei einem brutalen Überfall wurde ihr Gesicht entstellt, ihre Ehe existiert nur noch auf dem Papier. Und dann ist da auch noch dieser Brief eines Anwalts aus Granada.

Katharina hat eine Finca geerbt.

Von einem Unbekannten.

LA ESPERANZA die Hoffnung.

Über Umwege gelangt sie in den Süden Spaniens.

Wer ist dieser rätselhafte José, dem die Orangenplantage einst gehörte?

Katharina setzt alles daran, den Schleier der Vergangenheit zu lüften, und verliert ihr Herz an eine verbotene Liebe wie damals ihre Großmutter …


Ein Roman über Schmerz, Stärke, Hoffnung und Liebe – über die Wurzeln der Vergangenheit und den Zauber Andalusiens.

Leseprobe

Prolog

Ich denke an die Sierra Nevada. An die zerklüfteten Gipfel, die im April vom Schnee bedeckt in ihrer kargen Schönheit verborgen liegen. Wenn die Sonne das weiße Kleid der Berge zum Glitzern bringt, flüstern die Märchen der Vergangenheit in mein Ohr. Unversehrt ist diese Schönheit, kalt und unberührt, so perfekt, dass ich die Augen schließen will, und doch ist es mir nicht möglich, ich kann mich nicht belügen.
Fast hasse ich den Schnee, der die Landschaft in bleichen Frieden taucht, trügerisch in seiner Perfektion. Ich warte auf die wilde Wirklichkeit des Sommers, unverhüllt, bizarre Formen, strahlende Gipfelketten, harter Stein, zerklüftet, unmöglich zu erklimmen und das Schönste, was ich jemals gesehen habe. 
Ich habe den Gipfeln der Sierra alles erzählt, die Lügen ließ ich dort, der nächste Winter wird seinen Mantel darüberlegen und sie werden ins Vergessen hinabsinken, wie es das Schicksal aller Lügen sein sollte.
Meine Tränen nahm ich mit, hüte und liebe sie, wie es das Schicksal meiner Tränen sein wird. Denn ich habe sie aus einem Grund geweint, der mein Geheimnis sein soll.
Ich bin erfüllt von dem Geruch der Sierra, ich kann mich an jeden Augenblick erinnern. Die morgendliche Frische des nassen Grases, noch schwer bedeckt vom Tau, die leichte Süße der Kräuter, die eine sanfte Brise vor sich herträgt. Später am Tag, wenn die Hitze den Tau verschlungen und den Boden getrocknet hat, rieche ich die dunkelrote Erde, gefüllt mit Leben und mit Tod. Dann die Nacht. Die Sierra gibt her, was sie an Düften am Tag gefangen hat, und ich stehe unter einem funkelnden Sternenhimmel, lasse den Duft in mich strömen, bewahre etwas davon bei mir.
Ich denke an die Sierra Nevada, die so viel mehr ist und immer bleiben wird, denn ich bin ein Teil von ihr und sie bleibt ein Teil von mir. 
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Kapitel 1

Die meisten Menschen sterben zwischen drei und fünf Uhr morgens. Während dieser Zeit befindet sich der Körper in einer Regenerationsphase, der Herzschlag verlangsamt sich, die Funktionen der Organe sind reduziert. Der unsichtbare Schutzschild ist gesenkt, unser Organismus verweilt im Überlebensmodus, arbeitet auf Sparflamme, ist angreifbarer und verletzlicher. Ich arbeite seit fünfzehn Jahren als Krankenschwester, davon drei Jahre im Nachtdienst, hier im Hospital Zum Heiligen Geist in Frankfurt, und ich habe oft erlebt, dass sich der Tod vor allem in dieser Zeit genommen hat, was wehrlos war. Während dieser zwei Stunden, zwischen drei und fünf Uhr morgens, bin ich unruhiger, patrouilliere in kürzeren Abständen durch die Gänge und suche in den halbdunklen Nischen des alten Gebäudes nach einem verborgenen Schatten, den ich zu vertreiben bereit bin. Selbstverständlich weiß ich es besser, doch nachts verschwimmt die Realität und vermischt sich mit der Stille und meinen Erinnerungen zu einer anderen Wahrheit. 
Jetzt ist es fünf Uhr, der letzte Kontrollgang. In einer Stunde werde ich von meinen Kollegen der Tagschicht abgelöst. Zu Hause erwartet mich ein Frühstück mit meinem Mann und danach ein weiches Bett, welches derselbe vielleicht für eine Stunde mit mir teilen wird. Aber noch bin ich hier. Eine Patientin liegt mir besonders am Herzen. Emilia Rose, die alte Dame mit einem Namen, der mich an den flüchtig süßen Duft dunkelroter Rosen erinnert. Sie wurde bewusstlos zu Hause aufgefunden. Einer Nachbarin war aufgefallen, dass die Jalousien in Frau Roses Wohnung seit Tagen geschlossen waren, deshalb hatte sie die Polizei alarmiert. Vor zwei Tagen wurde Emilia Rose bei uns eingeliefert, dehydriert, abgemagert, mit schwachem Herzen und kaum noch Leben in ihr. »Schätzchen«, hatte sie in der ersten Nacht unserer Bekanntschaft in mein Ohr geflüstert und meine Hand dabei erstaunlich stark gedrückt. »Schätzchen, mir geht es gut. Es ist alles so, wie es sein soll.« Sie lächelte mich an. »Wie schön Sie sind.« Ihre Finger strichen über meine langen roten Haare und tätschelten mein Gesicht. Normalerweise mag ich es nicht, angefasst zu werden, doch einem Impuls folgend, schmiegte ich meine Wange in die Mulde ihrer Hand. Mir war, als würde ich sie kennen, sie und ihr Schicksal.
»Frau Rose, es geht Ihnen wieder besser nach ihrem Schwächeanfall, doch Sie müssen auf sich aufpassen.« Ich setzte mich an ihr Bett und nahm ihre schmale Hand in meine, die Haut war dünn wie Pergament, ihre Finger verkrümmt wie die Krallen eines Vogels. Frau Rose rührte mich, scheinbar zart und zerbrechlich, doch ihre Augen erzählten eine andere Geschichte. 
»Leben Sie allein? Gibt es jemanden, der sich um Sie kümmert?« Ich fuhr mit den Fingerspitzen vorsichtig über ihre Hand und fühlte den Puls unter der Pergamentpapierhaut flattern wie ein Schmetterling. »Mein Mann hat sich um mich gekümmert und ich mich um ihn. Mein Alexander ist vor sechs Monaten gestorben.« Ihr Blick verlor sich in der Ferne. »Es waren siebzig Jahre, Schätzchen. Ich dachte, dass ich vor ihm gehen werde. Verstehen Sie?« 
Sprachlos nickte ich. Eine unfassbar lange Zeit. Siebzig Jahre! Ein ganzes Leben. »Bitte geben Sie nicht auf!« Traurig legte ich Frau Rose die Sauerstoffmaske an, sie ließ es geschehen. Die Enttäuschung in ihrem Blick schmerzte mich, ich hatte das Gefühl, etwas Falsches zu tun. Paul und ich waren seit fünf Jahren verheiratet und schon die Ausnahme in unserem Freundeskreis. Siebzig Jahre, mein Gott! Wie funktioniert das nur? Ich sah auf meine Hand mit dem Ehering, ein schlichter, schmuckloser Reif aus geklopftem Silber. Nachdenklich saß ich am Bett der alten Dame, lauschte ihrem Atem, der tiefer wurde, kontrollierte zum x-ten Mal die Infusion, Tropfen für Tropfen nahm Frau Roses zierlicher Körper die Flüssigkeit auf. Als ich sicher war, dass sie ruhig schlief, verließ ich das Zimmer und begann mit meiner Arbeit. Frau Roses Geschichte begleitete mich den Rest der Nacht und die folgenden Dienste. 
Auch heute saß ich an ihrem Bett und lauschte ihrer Geschichte. Sie erzählte von Alexander, ihrem Ehemann. Er war Handwerker gewesen mit einer künstlerischen Ader. »Gedichte, Kindchen, Gedichte. Das waren meine Diamanten und Reisen in unsere gemeinsame Seele. Alexanders Gedichte. Er war so begabt und er hat mich so geliebt.« 
Schon die Erwähnung seines Namens riss Frau Rose aus ihrer Lethargie und hauchte ihrem Körper Energie ein. Die beiden mussten sich sehr geliebt haben. Tränen stiegen in mir auf, ich hätte gern mehr über das Leben und die Liebe der alten Dame erfahren, doch ihre Zeit lief ab. Trotz der Infusionen und den Medikamenten verschlechterte sich ihr Zustand, sie schien weniger zu werden, ihr Leuchten verglühte wie eine Sternschnuppe in der Nacht. Seit vielen Jahren war es das erste Mal, dass ich das Schicksal eines Patienten so nah an mich heranließ.

Die Autorin

Alexandra Mazar ist in Bayern geboren und aufgewachsen, nach einer kurzen Episode in Hessen, lebte sie zwei Jahre in Granada, Andalusien und ließ sich von der grandiosen Landschaft und den fabelhaften Menschen bezaubern und inspirieren.

Seit sie lesen und schreiben kann, laufen ihr Geschichten zu, und sie hat viele von ihnen aufgeschrieben. Große Gefühle, Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, Weiterentwicklung und letztendlich die Suche nach der eigenen Identität sind große Themen in ihrem Leben und auch in ihren Büchern.

Alexandra Mazar lebt mit ihrer Familie vor den Toren Frankfurts.

Über Buchtipps24

Buchtipps24.de ist ein Portal, das interessierten Lesern und Buchliebhabern die Suche nach dem nächsten Buch für ihren SUB erleichtert. Noch steht es am Anfang. In Zukunft wird es hier aber die besten und aktuellsten Buchtipps im Web geben.

Unter Kürzlich hinzugefügt bei Buchtipps24 findest du die aktuellsten Neuzugänge. Im Menüpunkt Bücher kannst du nach Büchern in deinem Lieblingsgenre stöbern oder in der alphabetischen Titelliste nach einem speziellen Buch suchen. In meiner Top 10 Liste findest du die beliebtesten Bücher auf Buchtipps24.

Im Menüpunkt Autoren befindet sich eine Übersicht aller Autoren, die ihre Bücher auf meiner Website vorgestellt haben.

Apropos Autoren: Wenn du Autor bist, kannst du dich und deine Bücher auf meiner Website vorstellen. Alle nötigen Informationen hierzu findest du auf meiner Infoseite für Autoren.

Nach oben scrollen