Candhun: Schleier der Anderswelt von Diana Klewinghaus

Candhun: Schleier der Anderswelt

Details:

Genre:Fantasy
Format:eBook
Seiten:B07L9HCT9Q
Distributor:Books on Demand
ISBN/ASIN:B07L9HCT9Q

Inhalt:

Das Land Duria steht kurz vor dem Bürgerkrieg mit der Nordprovinz. Die freiheitsliebende Ella erweckt in einem verbotenen Ritual ihre magische Begabung und flieht mithilfe eines reizvollen Fremden in ihre bedrohte ursprüngliche Heimat.

Der Roman ›Schleier der Anderswelt‹: Einstieg mit Romantik und Thrill in die Welt der Geister und der epischen Fantasyreihe ›Cândhûn‹. Ein spannungsintensives Abenteuer über sechs Freunde, Gut und Böse und die vielen Wahrheiten dazwischen.


Welchem Pfad folgst du in einer Welt, in der dein Erbe und der Glaube deiner Ahnen dich das Leben kosten können? Ella werden ihre Neugier und die Faszination für den wilden Norden zum Verhängnis. Der Aufklang einer rätselhaften, nicht unerotischen Verknüpfung, die Ellas Leben bedroht und das Einzige ist, das es retten kann.

Leseprobe

Entgeistert starrte sie ihren Onkel an – der nahm sie gar nicht wahr und ging. Ella blieb mit dem Gefühl zurück, sein letzter Satz wäre der eigentliche Grund für sein Auftauchen gewesen. Das durfte nicht wahr sein, er wollte sie verkuppeln, mit einem Inquisitor des Zentralen Rates. Sie verharrte eine Weile bewegungsunfähig und starrte noch immer auf die geschlossene Tür. Sie wusste nicht, was von beidem sie schlimmer finden sollte: Wie dreist ihr Onkel sie loswerden wollte oder wen er sich dafür ausgesucht hatte. Sie erwog kurz ihre Zukunftsaussichten, wenn sie einfach weglaufen würde, entschloss sich jedoch, abzuwarten. Vielleicht ließ ihr Onkel mit sich reden.
Ella überlegte sich schnell ein paar Worte, von denen sie dachte, sie könnten für Ragin in diesem Belang relevant sein und beeilte sich nach unten zu gelangen. Das Problem musste sie gleich aus der Welt schaffen. Am Fuß der Treppe vernahm sie laute Stimmen aus Grents Arbeitszimmer. Sie blieb stehen.
»Deine Anschuldigung entbehrt jeglicher Beweise«, tönte eine höhnische Stimme. Ein Mann mit cáelánischem Dialekt antwortete:
»Das macht sie nicht weniger wahr.«
»Ist das deine offizielle Meinung, Vanadis?«, fragte die erste Stimme herausfordernd.
»Das ist meine Meinung, doch du hast zugesagt, dass diese Unterredung inoffiziell bleibt«, entgegnete der Angesprochene in einem Tonfall, der wohl besänftigend wirken sollte, seine Bestimmung allerdings vollkommen verfehlte.
»Du stellst dich also hinter diesen Wilden«, zischte ihn der Mann jetzt mit unverhohlenem Zorn an.
»Deine Reaktion zeigt nur, wie nah ich mit meiner Vermutung der Wahrheit gekommen bin, falls du überhaupt noch weißt, was das ist.« Diese Stimme identifizierte sie eindeutig als Llews, obwohl seine unterdrückte Wut sie härter als gewöhnlich klingen ließ. Er sprach leiser als die anderen beiden, es war deutlich heraus zu hören, wie viel Selbstbeherrschung ihm das abzwang.
»Llew, mein Lieber«, säuselte der erste Mann mit lockendem Ton, wie dem einer Hure, die um einen höheren Preis feilscht. »Wiederhole deine Vermutung noch einmal offiziell und du riskierst einen Krieg zwischen Duria und den Nord-Arealen. Und wenn Vanadis ebenfalls auf seiner Meinung besteht, dann zwischen uns und ganz Cáelán-Ait.« Ella spürte deutlich die Befriedigung des Fremden über seine gelungene Provokation, die prahlerisch über seinen Worten schwebte.
Ihr stockte der Atem. Krieg?
»Das reicht jetzt«, rief Grent mit seinem affektierten Tonfall. »Die Unterredung ist beendet. Für solch einen Schritt besteht zu diesem Zeitpunkt noch kein Grund.« Vor Ellas geistigem Auge entstand augenblicklich das Bild von Grent, der gönnerhaft da stand, zu seiner vollen Größe aufgerichtet und mit geballter Arroganz bewaffnet.
Dieses Ekel genoss es, sich als Herr über Krieg und Frieden aufzuspielen. Ihr Magen krampfte sich zusammen.
Lautes Schaben von Stuhlbeinen über Steinboden kündigte ihr die Auflösung der Versammlung an. Automatisch rückte sie ein Stück näher zur Wand. Sie hoffte, wer auch immer jetzt alles diesen Raum verließ, würde durch den Flur und nicht über die Treppe gehen. Stimmengemurmel und Schritte wurden leiser. Gerade nahm sie die letzten beiden Stufen, als die Tür des Arbeitszimmers zuschlug und Llew um die Ecke bog. Durch die wutverspannten Muskeln wirkten seine symmetrischen Gesichtszüge viel kantiger als sonst. In seinen Augen lag ein bedrohliches Glitzern. Er verzog die Lippen, als wollte er eine Bemerkung machen, überlegte es sich noch einmal und polterte an ihr vorbei die Treppe hinauf. Geistesabwesend registrierte Ella seine überaus muskulösen Beine. Schnelles Treppensteigen in Kombination mit Rehlederhosen und einer ausgesprochen schönen Rückansicht ließen sie für einen Moment vergessen, wie wenig sie sich für Hintern interessierte.
Neugierig, mit wem er und Vanadis gestritten hatten, öffnete sie die Tür zum Arbeitszimmer nach dem Anklopfen, ohne abzuwarten. Grent stand mit einem Mann, den Ella nicht kannte an einem klobigen Mahagoni-Schreibtisch, der durch Grents imposante Statur fast mickrig wirkte. Der andere Mann, schlank, blond und fast so groß wie Grent, wandte sich ihr gelassen zu. Seine tadellose Haltung nebst übertrieben gerade gezogenem Scheitel, erinnerten Ella an Alruns Mann. Zweifelsfrei der Inquisitor.
»Ich suche Ragin«, murmelte sie eilig.
Grents Antwort folgte im Befehlston: »Terrasse! Tür zu!«
»Prima, ich liebe klare Anweisungen«, witzelte sie säuerlich, »Höflichkeiten wird hier ohnehin viel zu viel Bedeutung beigemessen.«
Grent stierte sie wutentbrannt an. Der Blonde hatte sich nach dem Streit wieder unter Kontrolle. Er lächelte liebenswürdig, ohne den geringsten Ausdruck von Animosität. Sie schloss die Tür und lief Richtung Terrasse.

Ragin saß mit einem durischen Offizier auf einer Steinbank und unterhielt sich. Sie entschuldigte sich für die Unterbrechung und bat um ein Gespräch. Nachdem sich der Offizier höflich zurückgezogen hatte, brachte sie vor, was sie sich vorher zurechtgelegt hatte. Ragin war ihren Ausführungen geistig nicht gefolgt oder es war ihm gleichgültig.
»Es ist beschlossene Sache«, sagte er, nachdem er alles Mögliche aufgezählt hatte, was ihn angeblich dazu veranlasst hatte.
»Natürlich ist es das«, fauchte Ella gekränkt zurück. »Das ist es schon, seit du mich in den Konvent abgeschoben hast, nicht wahr?«
»Irgendeine Lösung musste ich mir für deine Zukunft überlegen«, antwortete ihr Onkel desinteressiert.
»Lösung«, echote sie aufgebracht. »So, dann muss ich dich davon in Kenntnis setzen, dass ich diese Lösung nicht akzeptiere.« Sie wollte aufstehen und gehen. Schließlich war alles gesagt. Anscheinend ließ es ihn völlig kalt, wie laut sie hier mitten auf der Terrasse mit ihm stritt.
»Ich werde dich ihm heute vorstellen.« Sein geschäftsmäßiger Tonfall versetzte Ella noch mehr in Rage. »Das wirst du auf keinen Fall tun. Du hast mich nicht verstanden. Ich werde nicht heiraten. Diesen Schwachsinn hast du dir sicher zusammen mit Grent ausgedacht. Vergiss es!« Ihre Stimme glich inzwischen einem heiseren Zischen, nicht zuletzt deswegen, da ihr Onkel nicht nur ihren Protest, sondern auch ihre Lautstärke völlig ungeniert überging.
»Ehrlich gesagt, der Beschluss steht tatsächlich seit dem Konvent und Grent hat den passenden Kandidaten gefunden.«
Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollte, Ragins Gleichmut ihren Gefühlen gegenüber traf sie trotz ihrer Distanz zu ihm.
»Zum Glück bin ich diejenige, die ›Ja‹ sagen muss, falls der Zentrale Rat das nicht inzwischen auch schon geändert hat.«
»Schhhhh, Ella, bist du wahnsinnig?« Ihr Onkel zog sie schockiert die Stufen Richtung Garten hinunter und sah sich gehetzt um. »Du solltest so etwas hier wirklich nicht sagen – die Lage ist sehr angespannt, und wenn das ein Ratsloyalist hört, stehst du ganz schnell vor einem Inquisitor.«
»Ach?« Zu ihrer Wut gesellte sich ungebremster Sarkasmus. »Vor einem Inquisitor, also? Wolltest du mich nicht gerade noch mit einem verkuppeln?«
»Ja«, sagte er etwas sanfter, »damit du sicher bist, gleich wie sich die politische Lage weiter entwickelt.« Einen Augenblick überlegte sie, ob er das ernst meinen konnte. Doch sie wusste, es war ein gezielter Versuch, ihr Einverständnis zu erschleichen.
»Allein für diese Bemerkung wird wohl kaum jemand einen Inquisitor bemühen. Sag mir Bescheid, wenn es soweit ist. Dann überlege ich es mir vielleicht nochmal.« Sie betrachtete das Gespräch damit als beendet. Ragin scheinbar ebenfalls, denn er ließ sie dieses Mal gehen.
Sie wollte einen langen Spaziergang durch den Garten machen, um sich zu beruhigen. Hinter einer Reihe Scheinzypressen, die den Fuß der Terrasse säumten, stand sie plötzlich Vanadis gegenüber.
»Guten Abend.«, sagte sie höflich und blickte ihm im Vorbeigehen in die Augen, um zu sehen, ob er mitgehört hatte. Der tiefgraue, ausgeprägte Rand seiner Iris fesselte unerwartet ihre Aufmerksamkeit für einen Moment. Statt den Gruß zu erwidern, sagte er: »Die Lage ist schlimmer, als du denkst, jemand wie du sollte wirklich vorsichtiger sein.«
»Guten Abend zu wünschen, erschien mir nicht besonders unvorsichtig«, konterte sie mechanisch. Er lächelte sie an, es war ein warmes, freundliches Lächeln. Ella mochte seine vielen Lachfältchen, die dabei zum Vorschein kamen.
»Guten Abend«, sagte er und ging.

Die Autorin

Diana Klewinghaus stammt aus dem Ruhrgebiet. Sie ist alleinerziehende Mutter, Lebenskünstlerin und folgt in der wahren Welt dem Alten Pfad. Seit ihrer Kindheit interessiert sie sich neben Mystik auch für die spannenden Geheimnisse der Pflanzenwelt. Mit ihrem ureigenen Humor und einer überraschend subtilen Sicht auf ihre Charaktere lockt sie uns seit 2018 in die aufwühlende Welt Cândhûns. Ihr Debütroman ›Schleier der Anderswelt‹ ist Auftakt einer High-Fantasy-Reihe mit historischer Note.

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